Natalia SpurmanHeilpraktikerin für Psychotherapie
Ratgeber

Ängste verstehen: wenn Sorgen den Alltag bestimmen

„Es ist ja gar nichts passiert." Diesen Satz sagen viele Menschen, die mit Ängsten zu mir kommen, fast entschuldigend. Sie sitzen mir gegenüber, klug, gefasst, oft beruflich erfolgreich – und beschreiben dann, wie das Herz ohne Vorwarnung zu rasen beginnt, wie sich vor einem harmlosen Telefonat Übelkeit aufbaut, wie der Kopf nachts Katastrophen durchspielt, die tagsüber niemand für möglich hielte. Und immer wieder dieser Satz: „Dabei ist doch gar nichts passiert." Wenn ich eines in diesem Artikel schaffen möchte, dann Sie von diesem Satz zu entlasten. Denn dass „nichts passiert" ist, macht Ihre Angst nicht kleiner. Es macht sie nur einsamer.

Ich bin Natalia Spurman, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin-Prenzlauer Berg. Angst gehört zu den häufigsten Themen, mit denen Menschen bei mir sitzen – und zu denen, bei denen sich am meisten bewegen lässt, wenn man sie verstehen lernt, statt nur gegen sie anzukämpfen. Alle Beispiele in diesem Text sind anonymisiert und aus mehreren Geschichten zusammengesetzt. Aber das Gefühl dahinter kenne ich aus vielen echten Stunden.

Angst ist erst einmal gesund – das Problem beginnt woanders

Fangen wir mit etwas an, das entlastet: Angst ist kein Defekt. Sie ist eine der ältesten und klügsten Ausstattungen, die wir haben. Sie hat unsere Vorfahren am Leben gehalten, sie schärft die Wahrnehmung, sie macht den Körper in Sekunden bereit, zu fliehen oder zu kämpfen. Ein Leben ganz ohne Angst wäre nicht mutig, sondern gefährlich. Wer Angst spürt, ist nicht schwach – sein Alarmsystem funktioniert.

Zum Problem wird Angst erst, wenn dieses System an den falschen Stellen anspringt, zu laut wird oder gar nicht mehr aufhört. Wenn der Körper Vollalarm gibt, obwohl keine Gefahr da ist. Wenn die Sorge nicht mehr schützt, sondern nur noch lähmt. Wenn Sie anfangen, Ihr Leben um die Angst herumzubauen – Situationen meiden, Wege umplanen, Einladungen absagen. Genau an diesem Kipppunkt lohnt es sich, hinzuschauen. Nicht, um die Angst „wegzumachen" – das geht ohnehin nicht ganz und wäre auch nicht klug –, sondern um sie wieder auf ein Maß zu bringen, mit dem sich leben lässt.

Die vielen Gesichter der Angst

Angst tritt selten als das auf, was man aus dem Kino kennt. Sie hat viele Formen, und viele Menschen erkennen sich erst wieder, wenn man sie benennt.

Die frei flottierende Sorge

Manche Menschen sorgen sich einfach ständig – um die Gesundheit, ums Geld, um die Kinder, um Dinge, die morgen sein könnten und meist nie sind. Der Kopf findet immer ein neues Thema. Man nennt das eine generalisierte Angst; im Alltag fühlt es sich an wie ein Grundrauschen der Anspannung, das nie ganz verschwindet.

Die Panik aus dem Nichts

Andere kennen die Attacke: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder gleich zu sterben. Eine Panikattacke ist ein zutiefst körperliches Erlebnis – und weil sie so körperlich ist, landen viele Betroffene zunächst in der Notaufnahme, überzeugt, es sei das Herz. Dass „nur" die Angst dahintersteckt, ist dann oft die zweite Erschütterung.

Die Angst vor bestimmten Situationen

Wieder andere haben eine klar umrissene Angst: vor engen Räumen, vor Menschenmengen, vor dem Sprechen in einer Gruppe, vor dem Fliegen, vor Krankheit. Besonders verbreitet – und besonders belastend – ist die soziale Angst: die Furcht, sich zu blamieren, bewertet zu werden, nicht zu genügen. Sie kostet Menschen Freundschaften, Chancen, ganze Lebensbereiche, und sie tut es leise.

Die Angst, die sich als Körper meldet

Und dann gibt es Angst, die gar nicht als Angst auftritt, sondern als Symptom: als Enge in der Brust, als Reizmagen, als Schwindel, als Dauererschöpfung. Der Körper trägt, was die Seele nicht aussprechen kann. Deshalb – und das ist mir wichtig – gehört bei körperlichen Beschwerden immer zuerst eine ärztliche Abklärung dazu.

Ein wichtiger Hinweis vorweg: bitte ärztlich abklären lassen

Bevor wir gemeinsam an einem Angstthema arbeiten, gehört ein Schritt an den Anfang, den ich sehr ernst nehme: die ärztliche Abklärung. Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Engegefühle – all das kann Angst sein, kann aber auch körperliche Ursachen haben, von der Schilddrüse bis zum Herzen. Diese möchte ich ausgeschlossen wissen, bevor wir alles der Psyche zuschreiben. Das ist kein Misstrauen gegen Sie, sondern Sorgfalt.

Und noch etwas: Ausgeprägte Angststörungen sind behandlungsbedürftige Erkrankungen. Bei schweren Verläufen gehört die Behandlung in ärztliche beziehungsweise ärztlich-psychotherapeutische Hände, manchmal auch mit Medikamenten. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie behandle ich keine schweren Angststörungen im Alleingang – aber ich kann Menschen begleitend und ergänzend unterstützen, und ich sage Ihnen offen, wenn ich denke, dass Sie zuerst oder zusätzlich woanders gut aufgehoben sind. Diese Ehrlichkeit ist Teil meiner Arbeit.

Warum Vermeidung die Angst füttert

Es gibt einen Mechanismus, der fast jede Angst über die Zeit größer macht, und ich möchte, dass Sie ihn verstehen, weil er der Schlüssel zu so vielem ist: die Vermeidung.

Stellen Sie sich jemanden vor, der Angst vor dem Fahrstuhl entwickelt hat. Er nimmt fortan die Treppe. In dem Moment fühlt sich das gut an – die Angst bleibt aus, Erleichterung stellt sich ein. Aber das Gehirn lernt aus dieser Erleichterung eine fatale Lektion: „Der Fahrstuhl war also wirklich gefährlich, gut, dass ich ihm entkommen bin." Beim nächsten Mal ist die Angst darum nicht kleiner, sondern größer. Und der Radius, in dem man sich frei bewegt, schrumpft mit jeder Vermeidung ein Stück weiter. So werden aus einem Fahrstuhl irgendwann alle Fahrstühle, dann enge Räume, dann das Verlassen der Wohnung.

Das Gemeine daran: Vermeidung fühlt sich vernünftig an. Sie ist der Wolf im Schafspelz der Angst. Ein guter Teil der Arbeit besteht deshalb darin, gemeinsam und in kleinen, machbaren Schritten wieder in die gemiedenen Situationen hineinzugehen – nicht mit Gewalt, sondern behutsam, sodass Ihr System eine neue Erfahrung machen kann: „Ich habe es ausgehalten. Es ist nichts passiert. Ich bin größer als die Angst."

Was hinter der Angst oft steckt

Angst hat immer einen Auslöser im Jetzt – aber ihre Wurzeln reichen häufig tiefer. In meiner Arbeit interessiert mich nicht nur, dass Sie Angst haben, sondern wovor die Angst Sie im Grunde bewahren will. Denn erstaunlich oft ist die Angst gar nicht so unlogisch, wie sie scheint.

Ein Mensch mit lähmender Angst vor Fehlern hat vielleicht früh gelernt, dass Liebe an Leistung hing – dass ein Fehler nicht nur ein Fehler war, sondern eine Gefahr für die Zuneigung. Eine tiefe Verlustangst in Beziehungen wurzelt manchmal in einem echten frühen Verlust, den nie jemand betrauert hat. Und manche Ängste sind gar nicht die eigenen: In manchen Familien wird eine unausgesprochene Angst über Generationen weitergereicht, wie ein Erbstück, das niemand bestellt hat. Ich erlebe das bei russischsprachigen wie bei deutschen Familien; Krieg, Flucht, Verlust hinterlassen Spuren, die noch Enkel spüren. Wenn Sie das interessiert, lesen Sie gern meinen Text über transgenerationale Muster.

Diese tiefere Ebene ist der Grund, warum ich verstehen statt nur dämpfen möchte. Reine Symptombekämpfung – Atemtechnik hier, Beruhigungstipp dort – kann kurzfristig helfen und hat ihren Platz. Aber wer versteht, woher die Angst kommt und was sie eigentlich schützen will, nimmt ihr auf Dauer die Macht. Genau hier setzt meine tiefenpsychologisch fundierte Einzelarbeit an.

Sie erkennen sich wieder?
Warten Sie nicht, bis die Angst Ihren Radius weiter verkleinert. Lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann. Unverbindlich. Sie erreichen mich täglich 8–20 Uhr unter +49 1573 0208093 und online über Online-Termin.

Was Sie selbst tun können – erste Schritte

Ein paar Dinge können Sie sofort beginnen. Sie ersetzen keine Begleitung und keine ärztliche Abklärung, aber sie geben Ihnen ein Stück Handlungsfähigkeit zurück:

  • Atmen Sie länger aus als ein. In der Panik atmen wir flach und schnell. Ein bewusst verlängertes Ausatmen – etwa vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus – signalisiert dem Körper Entwarnung. Das ist keine Esoterik, sondern Physiologie.
  • Benennen Sie, was Sie wahrnehmen. Fünf Dinge sehen, vier hören, drei fühlen. Das holt Sie aus dem Katastrophenkopf zurück in den Raum, in dem Sie tatsächlich sind – und der meist völlig sicher ist.
  • Machen Sie sich klar: Eine Panikattacke ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Sie geht vorbei, immer, auch ohne dass Sie etwas tun. Diese eine Erkenntnis nimmt vielen Menschen schon einen Teil der Angst vor der Angst.
  • Schränken Sie Vermeidung ein, wo es geht. Trauen Sie sich kleine Schritte zu – nicht die große Mutprobe, sondern die nächste erreichbare Stufe.
  • Vorsicht mit dem „Beruhiger". Wenn Alkohol, Beruhigungsmittel oder auch nur das ständige Sich-Ablenken zunehmend die Aufgabe übernehmen, die Angst wegzudrücken, nehmen Sie das ernst. Ich begleite seit 2012 ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppe der Caritas und weiß, wie leise solche Wege beginnen.

Wie ich mit Ihnen arbeite

Wenn Sie zu mir kommen, sitzen Sie nicht in einer Praxis, die sich anfühlt wie ein Wartesaal. Mein Raum in der Schliemannstraße 41 in Prenzlauer Berg ist ruhig, und die Zeit gehört Ihnen – ein echter 1:1-Rahmen, ohne Hektik. Wir beginnen damit, Ihre Angst zu verstehen: Wann kommt sie, was löst sie aus, wovor will sie Sie bewahren? Schon dieses gemeinsame Sortieren entlastet viele Menschen spürbar, weil das Diffuse eine Gestalt bekommt.

Danach arbeiten wir auf zwei Ebenen. Auf der einen geht es um das Hier und Jetzt: konkrete Wege, mit akuten Angstsituationen umzugehen, Vermeidung behutsam abzubauen, den Körper zu beruhigen. Auf der anderen um die Tiefe: Woher kommt diese Angst, welchen alten Zusammenhang trägt sie in sich? Manchmal wird dabei ein Familienmuster sichtbar – dann lässt sich meine Gesprächsarbeit gut mit Aufstellungsarbeit verbinden, bei der wir mit Figuren auf dem Tisch anschauen, wem eine übergroße Sorge eigentlich gilt. Einzeltherapie und Aufstellung greifen bei Angstthemen oft ineinander.

Ich arbeite auf Deutsch und Russisch – ich bin russische Muttersprachlerin, und gerade bei Angst ist es kostbar, in der Sprache sprechen zu können, in der man auch fühlt und träumt. Termine bekomme ich meist kurzfristig unter, oft in wenigen Tagen; wer in einer angespannten Phase steckt, soll nicht monatelang warten müssen. Warum das so viel ausmacht, beschreibe ich in meinem Artikel zur Wartezeit. Und wenn der Weg zu mir selbst gerade schwerfällt, sind auch Hausbesuche möglich.

Häufige Einwände – und meine Antworten

„Bringt Reden überhaupt etwas gegen so ein körperliches Ding?"

Eine berechtigte Frage, denn Panik fühlt sich rein körperlich an. Und doch: Reden allein wirkt nicht durch das Reden, sondern dadurch, dass Sie verstehen, was in Ihnen passiert, dass Sie neue Erfahrungen machen und dass die Angst vor der Angst schrumpft. Sehr viele Menschen erleben spürbare Erleichterung, wenn sie ihre Angst nicht mehr als unerklärliches Monster, sondern als verstehbares Muster erleben. Eine Garantie gebe ich Ihnen nicht – die wäre unseriös. Aber die Erfahrung spricht dafür.

„Bin ich bei Ihnen richtig – oder brauche ich einen Arzt?"

Beides kann stimmen, und wir klären es gemeinsam. Körperliche Symptome gehören ärztlich abgeklärt, schwere Angststörungen in fachärztliche oder ärztlich-psychotherapeutische Behandlung. In vielen Fällen kann ich sehr gut begleitend arbeiten – und wenn ich merke, dass Sie mehr oder anderes brauchen, sage ich es Ihnen offen und verweise Sie weiter. Sie gehen bei mir nie mit einem falschen Versprechen nach Hause.

„Ist mir das zu teuer?"

Eine Einzelsitzung kostet 90 € (55 Minuten), 120 € (90 Minuten) oder 160 € (120 Minuten). Buchen Sie ein Paket direkt, sparen Sie 10 bis 20 Prozent, gültig ein Jahr. Alles Weitere finden Sie auf der Seite Kosten. Die Kasse zahlt nicht – dafür entsteht keine Diagnose in einer Akte und keine Meldung an irgendeine Stelle, was gerade bei einem so intimen Thema wie Angst für viele Menschen sehr entlastend ist.

„Muss ich mich schämen, dass mich ‚so etwas' aus der Bahn wirft?"

Nein. Angst trifft nicht die Schwachen, sie trifft die Sensiblen und oft die Verantwortungsvollen. Dass Sie funktioniert haben, bis es nicht mehr ging, spricht nicht gegen Sie. Und dass Sie sich jetzt Unterstützung suchen, ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Versagen.

Zum Schluss: Sie sind nicht Ihre Angst

Wenn ich Ihnen einen Gedanken mitgeben darf, dann diesen: Sie haben Angst, aber Sie sind nicht Ihre Angst. Sie ist ein Teil von Ihnen, ein überaktiver Beschützer, der es gut meint und übertreibt. Man kann lernen, mit diesem Teil zu sprechen, statt sich von ihm regieren zu lassen. Ich habe das bei vielen Menschen erlebt – wie der Radius wieder größer wird, wie das Grundrauschen leiser wird, wie aus „Dabei ist doch gar nichts passiert" ein ruhiges „Ich schaffe das" wird.

Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Und Sie müssen nicht warten, bis die Angst Ihnen noch mehr genommen hat. Ein ruhiger Anfang genügt.

Lernen wir uns kennen.
In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob und wie ich Sie begleiten kann. Meine Praxis liegt in der Schliemannstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg, Termine sind meist kurzfristig möglich, auf Deutsch oder Russisch. Rufen Sie mich an unter +49 1573 0208093 (täglich 8–20 Uhr) oder per E-Mail an n.spurman@hotmail.com, schreiben Sie mir über die Kontaktseite und buchen Sie online über Online-Termin. Mehr über meinen Weg lesen Sie hier.

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